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Ich sah einen Obdachlosen in der Jacke meines vermissten Sohnes und beschloss, ihm zu folgen. Vor fast einem Jahr, an einem Dienstagmorgen, ging mein 16-jähriger Sohn Daniel zur Schule und kam nie zurück. Mein Sohn war immer derjenige, der alle zum Lachen brachte. Er war freundlich und einfühlsam. Er verließ nie das Haus, ohne mir Bescheid zu geben. Das war nicht typisch für Daniel. Noch in derselben Nacht rief ich die Polizei. Die Beamten meinten, Teenager seien eben Teenager, er würde in ein paar Tagen zurückkommen. Aber er kam nicht. Die Überwachungskameras der Schule filmten, wie er das Schulgelände verließ, in einen Bus stieg und wegfuhr. Wochen sind vergangen. Wir haben überall Flugblätter verteilt, Anzeigen geschaltet und alles versucht, um ihn zu finden. Die Polizei sucht immer noch nach ihm. Gestern fuhr ich zu einem Arbeitstreffen in eine andere Stadt (etwa drei Stunden von zu Hause entfernt). Danach hielt ich in einem kleinen Café an und trank gerade meinen Kaffee, als ein älterer Mann hereinkam. Ich war wie gebannt. Er trug die Jacke meines Sohnes. Es war nicht nur eine ähnliche Jacke oder vom gleichen Stil: Es war Daniels Jacke. Einmal riss ihm der Ärmel ein, und ich nähte einen kleinen, gitarrenförmigen Flicken darauf, weil er so gern Gitarre spielte. Er hatte auch einen kleinen Farbfleck auf dem Rücken, den ich nie entfernen konnte. Der alte Mann zählte Münzen in seiner Handfläche, als er zur Theke ging, um Tee zu bestellen. Ich ging hin und bat den Barkeeper, ihm Tee und einen Scone zu machen. Ich bezahlte alles. Der alte Mann bedankte sich mit Tränen in den Augen. Ich konnte nicht länger schweigen und fragte sofort: „Entschuldigen Sie, woher haben Sie die Jacke?“ Der Mann lächelte und sagte: „Ein Junge hat sie mir geschenkt.“ Ich versuchte ihn zu fragen, wo und wann das passiert war, aber die Bar war voll, und der alte Mann rannte hinaus. Ich rannte ihm hinterher, um ihn einzuholen, beschloss dann aber, ihm zu folgen. Der Mann ging bis zum Stadtrand und wärmte sich die Hände an seiner Teetasse, trank aber weder den Tee noch aß er den Scone. Nach einer Stunde erreichte er ein altes, verlassenes Haus. Der Mann klopfte lautlos. Als sich die Tür öffnete, vergaß ich, wie man atmet.

Ich bin direkt zu Mayas Haus gefahren.

Ein Mann öffnete die Tür.

Kann ich bitte Maya sprechen? Sie war an dem Tag, als mein Sohn verschwand, bei ihm. Ich muss wissen, ob sie ihm etwas gesagt hat.

Er runzelte lange die Stirn. Dann schien sich sein Gesichtsausdruck zu verhärten.

Maya ist nicht da. Sie bleibt eine Weile bei ihren Großeltern. – Er wollte gerade die Tür schließen, hielt aber inne. – Ich frage sie, ob sie etwas weiß, okay?

Ich stand da und wusste nicht, was ich sagen sollte. Mein Instinkt sagte mir, ich sollte mich mehr anstrengen, aber ich wusste nicht wie.

Dann schloss er die Tür.

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