Wir stellen uns eine Erbschaft oft in Geld, Immobilien oder Wertgegenständen vor. Doch manchmal erschließt sich uns der Sinn dessen, was wir erhalten, erst im Nachhinein. Diese persönliche Geschichte, so einfach wie berührend, erinnert uns daran, dass Liebe und Dankbarkeit dort zu finden sind, wo niemand danach sucht.
Die letzte Nacht
Die Nacht, in der sich alles änderte, schien ganz normal – bis sie es nicht mehr war. Meine Schwiegermutter brach in der Küche zusammen, blass, zitternd, unfähig zu sprechen. Ohne nachzudenken, raste ich mit ihr in die Notaufnahme, überfuhr rote Ampeln, mein Herz hämmerte vor Angst, sie zu verlieren.
Während die Ärzte sie behandelten, rief ich ihre Tochter Léa an. Ihre Reaktion war eiskalt.
— Ruf mich an, wenn sie tot ist.
Zwei Tage später verstarb meine Schwiegermutter.
Ein kümmerliches Erbe… scheinbar.
Am Tag der Testamentseröffnung erschien Léa ganz in Schwarz, ruhig und selbstsicher. Sie erbte alles: die Wohnung, die Ersparnisse, den Schmuck, die Möbel. Dann wandte sich der Anwalt an mich.
Er gab mir nur eine Sache:
eine alte Topfpflanze.
Kein Geld. Keine Wertgegenstände. Nur diese Pflanze, die schon immer da gestanden hatte, still, in einer Ecke des Wohnzimmers. Erstaunlicherweise empfand ich weder Wut noch Ungerechtigkeit. Jahrelang hatte ich sie gepflegt, gegossen, beschnitten und manchmal mit ihr gesprochen, wenn die Einsamkeit zu groß wurde. Sie war fast ein Teil meines Lebens.
Léa ihrerseits ließ es sich nicht nehmen, sich über sie lustig zu machen.
Sie hat dich ausgenutzt. Jahrelang kostenlose Behandlung, und das ist der Dank dafür. Ich hoffe, das ist dir eine Lehre. Klicken Sie auf die nächste Seite
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